Mittwoch, 15. August 2007
Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Zusammen mit der «Basler Zeitung» und der «BZ» bringt der «Tages-Anzeiger» im Herbst eine vierte Pendlerzeitung heraus. Vom Abend ist nicht die Rede, also wird das noch namenlose Blatt wohl am Morgen erscheinen. Wie «Tages-Anzeiger online» berichtet, soll die neue Zeitung «in den nächsten Monaten» lanciert werden. Redaktionssitz ist Zürich, die Anzeigen sollen dagegen in Bern, Basel und Zürich an Land gezogen werden. Am interessantesten findet der Blattkritiker das Qualitätsversprechen: Die neue Zeitung soll sie sich auf relevante News konzentrieren und im Gegensatz zu den bisher hier zu Lande erscheinenden Gratisblättern längere Texte und weniger Bilder aufweisen. Zudem wird sie sich durch ein klassisches, dezentes Design auszeichnen. Erscheinen wird das neue Produkt ebenfalls im Tabloid-Format. So will das Blatt eine junge, gut gebildete und kaufkräftige Leserschaft ansprechen, die sich für die Aktualität aus ihrer Region interessiert. Zwar hat auch der «.ch»-Initiant Wigdorovits von einer «Schnellesezeitung, die Qualität bietet» gesprochen. Was er damit meint, werden wir ab September sehen. Bei Gratiszeitungen sind unsere Qualitätsansprüche inzwischen recht tief: Wir freuen uns schon, wenn die Zeitung weniger als zwei Fehler pro Seite und keinen Bericht über Paris Hilton enthält. Gibt es neben getarnter Werbung, Handy-Verlosungen, aufgekochten Agenturmeldungen und Tierbildchen auch noch redaktionelle Inhalte, sind wir schon fast zufrieden.
Sonntag, 29. Juli 2007
Wer ist der Sisyphos der Schweizer Medienblogger? Wir haben zwei Kandidaten gefunden:
Der namenlose Blogger bei «20min Schreibfehler» wälzte die grösste Zeitung der Schweiz Tag für Tag den Hang der Orthographie hoch und entdeckte in 20 Tagen mehr als 100 Schreibfehler. Zufälligerweise gab «20 Minuten» kurz nach dieser Aktion bekannt, ab dem 1. August ein Korrektorat einführen zu wollen. Denn «wo gehobelt wird, fallen Spähne». Genau.
Der «heute»-Rezensent namens «gestern» wuchtet bei «gestern im heute» die urbanste Schweizer Abendzeitung den steilen Berg des journalistischen Qualitätsanspruchs hinauf. Er würdigt unter anderem Schuhe in Testbildfarben, die Leserbriefseite und das öffentlich beweinte Verschwinden unkorrigierter Texte.
Nachdem im letzten Jahr einige Watchblogs ebenso rasch verschwunden sind, wie sie zuvor aufgetaucht waren, wünschen wir den beiden Projekten gutes Gedeihen. Arbeit werden sie zur Genüge haben.
Freitag, 22. Juni 2007
Die neue Gratiszeitung «.ch» wirft ihren Schatten voraus: Tamedia fährt die Auflage von «20 Minuten» um satte 25 Prozent hoch. Bis im Herbst soll die Deutschweizer Auflage 550'000 Exemplare stark sein, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Damit die vielen zusätzlichen Zeitungen an die Frau gebracht werden können, werden Doppelboxen nötig (und wohl auch ein paar Dutzend neue Mitarbeiter bei «Rail Clean», der Reinigungsfirma der SBB). Nett ist die offizielle Begründung für das Auflagenwachstum: Hauptgrund für die vom Verwaltungsrat beschlossene Steigerung der Auflage von 431’000 auf neu über eine halbe Million Exemplare sei der anhaltende Erfolg, teilte die Tamedia heute mit. Wers glaubt, bezahlt ein Qualitätszeitungs-Abonnement.
Update (23. Juni, 11:50): Auch der Presseverein hat sich über die Medienmitteilung amüsiert und schreibt vom «Säbelrasseln in der Billig-Ecke».
Samstag, 16. Juni 2007
Ein walisischer Handy-Verkäufer rührte mit seinem TV-Auftritt in der Casting-Show «Britain's Got Talent» die ganze Welt zu Tränen. 20minuten.ch hat herausgefunden, was die Moderatoren der Sendung und der Sänger verschweigen: Paul ist ein ausgebildeter Opern-Profi. So beginnt der Artikel von Gabriel Brönnimann in «20 Minuten». Eine knackige Geschichte: Der vermeintliche Handy-Verkäufer, der ganze Arenen zu Tränen rührt, ist ausgebildeter Opernsänger. Was Paul tat, bevor er Handyverkäufer wurde - darüber verlieren die Moderatoren der Sendung sowie der neue Star kein Wort. 20minuten.ch hat recherchiert - und Erstaunliches herausgefunden: Paul Potts ist nicht «ein Stück Kohle, dass sich in einen Diamanten verwandelt», wie das die Jurorin Amanda Holden nach seinem Auftritt sagte (...) Paul Potts ist ausgebildeter Opern-Profi. (...) Auch kann er auf eine erfolgreiche Karriere als Sänger zurückblicken. Und die Recherche von «20 Minuten»? Als Quellen werden Paul Potts Myspace-Seite sowie die Websites der Bath Opera und von «Britain's Got Talent» genannt. «Blattkritik» hat nachrecherchiert - und Erstaunliches herausgefunden: Paul Potts Opernkarriere ist im Netz gut dokumentiert. Die englische Wikipedia würdigt ihn mit einem ausführlichen Eintrag, der auch auf seine Vergangenheit als Opernsänger eingeht. Zur musikalischen Biographie heisst es trocken: Recently there has been some controversy as to the 'undiscovered talent' of Mr. Potts as he has sung with the Royal Philharmonic and had planned to tour with them. So viel zum Primeur.
Aber eines möchten wir doch festhalten: Der oft gehörte Vorwurf, dass Online-Journalisten immer aus der Wikipedia abschreiben, ist in diesem Fall offensichtlich haltlos.
(Dank für den Hinweis an Patrick)
Samstag, 2. Juni 2007
Auch eine Woche nach ihrer Bekanntgabe gibt die Espace-Übernahme zu reden. Die Spekulationen konzentrieren sich vor allem auf die Beweggründe der Tamedia, ausgerechnet jetzt auf Einkaufstour zu gehen - oder aber auf Charles von Graffenrieds Grund für das «Aufgeben». In seiner «Weltwoche»-Kolumne lässt sich Kurt Zimmermann auf die Äste der Familienpolitik und schreibt:
Grössere wirtschaftliche Verschiebungen in der Schweizer Medienszene sind in aller Regel nicht von Kapitulation, industrieller Logik, Monopolisierung, Strategie, Konzentration, Nutzung von Synergien und Konsolidierungsprozessen getrieben. Es sind simple, alltägliche Nachfolgefragen. Entweder hat der Vater einen Sohn oder eine Tochter, der oder die das Unternehmen weiterführt. Oder der Nachwuchs ist nicht interessiert. Dann wird verkauft. Falls sich Charles von Graffenrieds Sohn Michael mehr für Zeitungen als für die Fotografie interessiert hätte, schreibt Zimmermann weiter, wären «BZ» und «Bund» in Berner Händen geblieben. Tatsächlich? Der Blattkritiker bezweifelt diese Hypothese. Ein Medienkonzern wie die Espace Media Groupe ist kein Schuhmachergeschäft, das vom Papa entweder an den Sohn weitergegeben oder an den bösen Spekulanten verkauft wird. Auch Michael von Graffenried hätte sich mit Inserateschwund, Gratiszeitungen und fehlenden Ideen für Qualitätszeitungen konfrontiert gesehen - und sich entweder eigene Lösungen einfallen oder ebenfalls einem grösseren Konzern an die Brust werfen müssen.
Als Leser werden wir die genaue Geschichte des Espace-Deals vermutlich nie erfahren. Wie sieht es aber mit den Folgen aus? Nehmen wir statt der «Weltwoche» lieber die aktuelle «WOZ» zur Hand (ja, zur Hand, denn immer noch weigern sich die Genossen, ihre besten Texte aufs Web zu stellen). Hanspeter Spörri, gewesener «Bund»-Chefredaktor, schreibt über die Fusion und resümiert kurz den wirtschaftlichen Rosenkranz, der bei solchen Gelegenheiten gern heruntergebetet wird: Wer überleben will, muss grösser werden, der Strukturwandel ist nicht aufzuhalten, lieber ein einheimischer als ein ausländischer Käufer. «Soll man wieder einmal lamentieren über den Verlust regionaler Eigenständigkeit, über möglichen Stellenabbau?», schreibt Spörri und fragt: Was wird nun besser? Vielleicht die «Berner Zeitung», die durch diverse Sparübung bereits ernsthaften Schaden genommen hat. Im Verbund mit dem «Tages-Anzeiger» liesse sich der ausgedünnte Mantel mit der nur noch mangelhaften Wirtschafts-, Kultur- und Auslandsberichterstattung quantitativ und qualitativ wieder verbessern. Eine bessere Zeitung - genau darum geht es aus der Sicht der Leserinnen und Leser, sofern sie sich nicht längst von ihren Ansprüchen verabschiedet haben. Auf den Zürcher Redaktionen, in welchen der grösste Teil des schweizerischen Medienjournalismus produziert wird, scheint die zuweilen erbärmliche Qualität der «BZ» aber kein Thema zu sein. Die Zukunft der Berner Presse wird auf die Frage reduziert, wie lange es den «Bund» noch geben wird. Die unterschiedliche Geschichte, Ausrichtung und Qualität von «Bund» und «BZ» wird kaum je erwähnt. Spörri gibt Nachhilfe: Der 1850 gegründete «Bund» ist immer noch eine Zeitung, um die es schade wäre, eine Zeitungspersönlichkeit mit Gedächtnis, mit Bewusstsein für Geschichte und Kontinuität, dem Gedankengut der Aufklärung und den «Errungenschaften von 1848» verpflichtet. (...) Einige Zeit schien die Aufgabenteilung zwischen dem «Bund» - seriös, urban, sozial-liberal, mit einer anspruchsvollen Leserschaft rechnend - und der «Berner Zeitung» - boulevardesk, auf die Agglomeration und den ländlichen bezogen, mehr Farbe, grössere Titel - ganz gut zu funktionieren. Doch es wurden weiter Kosten gesenkt, um die Rentabilität des Konzerns kurzfristig zu erhalten. Wie fest die Tamedia auf die Kostenseite schielen wird und in welcher Redaktion sie das Messer ansetzt, ist noch offen. Die Angst vor einem Stellenabbau geht derzeit nicht nur am Berner Dammweg, sondern auch an der Zürcher Werdstrasse um.
Doch vielleicht eröffnen Martin Kalls «Synergien» auch kreativere Ergebnisse als blossen Stellenabbau. Wir können uns zum Beispiel vorstellen, dass auch der «Bund» mit ausgewählten Texten aus dem «Tages-Anzeiger» aufgepeppt wird. Das immer noch relativ grosse Korrespondentennetz des «Tages-Anzeigers» liesse sich so auch für den Platz Bern nutzen.
Und die «BZ»? Notfalls gibt es ja immer noch den Mantel von «20 Minuten» ...
Montag, 29. Januar 2007
«Im neuen week packt Jones aus», kündigte uns «20 Minuten» am Donnerstag in einem Kasten an (online nicht verfügbar). Und weiter:
Zügellos in New York: Auf Promo-Tour für ihr neues Album unterhielt sich eine überraschend anrüchige und sogar etwas betrunkene Norah Jones mit 20 Minuten week. Das grosse Interview gibts in der aktuellen Ausgabe. Norah Jones packt aus, beschwipst mit einem «20 Minuten»-Reporter unterwegs in New York? Ein solch exklusives Interview wollten wir uns nicht entgehen lassen. Wir holten am Freitagabend «20 Minuten week» ‚Äì und staunten statt über die «sinnliche Vollblutmusikerin» über die heisse Phantasie des Autors Niklaus Riegg: Das «grosse Interview» ist eine Seite kurz. Angeheitert ist Norah Jones in einem Song auf dem Album, wie sie sagt. Beim Interview hingegen scheint sie nüchtern zu sein, und schlecht gelaunt. Denn sie friert. In New York, während des Telefonats mit Riegg.
Freitag, 29. Dezember 2006
Alles wird teurer. Das weiss auch die Schweizerische Depeschenagentur SDA und schreibt: «Wer rauchend ein Bier vor dem Fernseher trinkt, zahlt nach Silvester gleich dreimal mehr.» Dieses lebensnahe Bild - es fehlen nur noch die Trainerhose und das weisse Unterhemd - wurde von diversen Redaktoren gerne übernommen (Beispiele: «20 Minuten», «heute», «St. Galler Tagblatt»).
Bier und Zigaretten werden also gleich dreimal so teuer wie bisher - und wie funktioniert das mit dem Fernseher? Ist der immer noch nicht abbezahlt? Wir scherzen. Natürlich ist die Logik der SDA folgende: Die Zigaretten werden teurer, das Bier wird teurer und das Fernsehen erst recht. Wenn also drei Dinge teurer werden, ist das Leben dreimal teurer. Genau.
Für die Online-Redakteure, die nicht nur copy-pasten, haben wir jetzt noch eine Bonusaufgabe: Steigere die Rechnung der SDA für eine noch bessere Schlagzeile (wie in diesem Beitrag). Zum Beispiel so: Wer rauchend ein Bier vor dem Fernseher trinkt und dieses mit einem Kaffee hinunterspült, der auch teurer wird, zahlt nach Silvester gleich viermal mehr!
Donnerstag, 14. Dezember 2006
Das Pendlerblog, als Rookie of the year bei den Swiss Blog Awards und Mitgründer von swissblogpress nicht eben eine Nischenpublikation, stellt den Betrieb ein. Nach knapp zwei Jahren "20-Minuten" haben Hund Basil und der unmündige Leser ihr Projekt abrupt beendet. Wir bedauern diesen Entscheid. Doch als berufstätige und teilzeitbloggende Nachbarn im Geiste können wir ihn gut verstehen. Medienjournalismus ist nicht nur spannend, sondern auch anstrengend, vor allem bei der Konzentration auf einen einzigen Titel. Denn nach der x-ten Wiederholung wird die Kritik nicht nur für die Blogleser, sondern auch für die Autoren zur Routine. In dieser Situation haben die Pendlerblogger mehrfach Neues versucht (eine heute-Woche, eine Feel-Good-Woche, eine Inseratekampagne). Und schliesslich haben sie sich fürs Aufhören entschieden. Was uns bleibt, ist eine Würdigung ihrer Arbeit.
Das Pendlerblog hat Pionierarbeit geleistet. Dank ihm weiss eine grosse Zahl der Schweizer Internetnutzer seit 2005, dass ein Watchblog keine dunkle Sonnenbrille, sondern ein Begleitmedium ist. Nach der anfänglichen Begeisterung traten bald auch meckernde Kommentatoren auf den Plan. Für ihre Kritik an Publireportagen, Bildunterschriften, Statistiken und dergleichen steckten der Hund und der Leser oft Haue ein. Zu Unrecht, finden wir. Denn die Pendlerblogger haben erreicht, dass auch die Konsumenten der Gratispresse ein klein wenig kritischer geworden sind: Nicht alles, was in der Zeitung steht, muss wichtig sein, nicht alles, was die Zeitung schreibt, muss die ganze Wahrheit sein. Und die immer noch gerne zitierte Unabhängigkeit der Presse leidet ganz schön unter dem Druck der Anzeigenkunden. Ein Gemeinplatz? Vielleicht. Doch was für Publizisten und Journalisten zu den Binsenweisheiten gehört, hat dank dem Pendlerblog auch eine breitere √ñffentlichkeit gefunden.
Eignete sich das Rezensionsobjekt überhaupt für die Kritik? Wir meinen: Ja. Ungeachtet des ewigen Kokettierens mit dem "Blick" war der Entscheid für "20 Minuten" richtig. Denn die grösste Zeitung der Schweiz hat die heterogenste Leserschaft, die man sich denken kann. Das institutionalisierte Phänomen "20 Minuten" funktioniert quer durch alle Bildungs-, Einkommens- und Interessensschichten. Und so verdient es auch mehr Aufmerksamkeit, mehr kritische Begleitung und mehr externes Qualitätsmanagement als jeder andere Schweizer Titel.
Update (16.12.06, 12.15): Rainer Stadler überschreibt seinen gestrigen «NZZ»-Artikel zum Ende des Pendlerblogs zufälligerweise ebenfalls mit «Ausgependelt» und meint: «Im Internet gibt es zweifellos originelle Akteure, aber als Einzeltäter fehlt ihnen der lange Atem.» Deshalb bloggen wir hier als Kollektivtäter.
Mittwoch, 12. Juli 2006
Wer hätte das zu prophezeien gewagt: Fiona Hefti, polyvalente Lehrerin und gewesene Miss Schweiz, macht ein Volontariat bei der «NZZ am Sonntag». Wie «20 Minuten» zu berichten weiss, ist «das Volontariat der schönen Fiona zeitlich nicht begrenzt».
In der «NZZ am Sonntag» vom 9. Juli beschäftigt sich die schöne Fiona mit der Edel-Jeans, genauer gesagt mit der Frage, welche Jeans auf welchen Hintern passt und warum Stickereien und Strass nun in den Altkleidersack gehören. Der Tonfall des Artikels, der zwischen Plauderton und hineinredigierter Pädagogik oszilliert, soll hier nicht näher kritisiert werden. Jedoch sei Frau Hefti eine vergessene journalistische Disziplin ans Herz gelegt: Die Recherche. Denn wer sich statt eines Zweijahresabonnement der «NZZ am Sonntag» lieber eine neue Hose kauft – die zehn vorgestellten Modelle kosten immerhin 190 bis 450 Franken – möchte allenfalls wissen, ob diese ihr Geld wert ist. Zitat Hefti: Mit der Jeans wird also richtig gutes Geld verdient. Doch was ist denn an einer Jeans für 490 Franken so anders als an einer Hose aus dem Supermarkt, die vielleicht 29 Franken 90 kostet? Das fragen wir uns tatsächlich. Einer der wichtigsten Unterschiede ist, so sagen Fachleute, der Schnitt und der Aufwand, der damit betrieben wird. Welche Fachleute sagen das? Welcher Aufwand kann mit einem «Schnitt» betrieben werden? Was ist der Grund für die hohen Preise? Erwarten Sie bitte keine Antworten. Heftis nächster Satz: Die meisten dieser jungen Marken betonen zudem, dass jede Einzelne ihrer Hosen so sorgfältig und aufwendig produziert wird und dass sie ein Leben lang hält Ein Leben lang? Oder nur so lange, bis die «NZZ am Sonntag» den nächsten Gang zum Altkleidersack befiehlt? Gerne würden wir erfahren, ob die Behauptungen der jungen Marken stimmen. Denn um Tatsachen kann es sich wohl erst handeln, wenn sie von einer zweiten, idealerweise auch noch von einer dritten Quelle bestätigt werden. Nicht obwohl, sondern gerade weil sich der Artikel im «Stil»-Bund befindet. Re-chercher: Wieder suchen. Und weiter suchen.
Gegenüber «persönlich» sagte Luzi Bernet, stv. Chefredaktor, Hefti habe «ein Bewerbungsverfahren wie jede andere Kandidatin auch» durchlaufen müssen und könne «nicht auf eine Sonderbehandlung hoffen.» Darf sie wenigstens auf eine reguläre Betreuung hoffen?
Mittwoch, 17. Mai 2006
Eigentlich hätte der Blattkritiker «20 Minuten» gestern Mittwoch schon nach einem Blick auf die Titelseite weglegen sollen. Im «Interactive»-Anriss steht dort: «Google Talk macht Skype Konkurrenz». Und was zeigt die Gratis-Postille auf dem Bildchen dazu? Eine Person am Telefon? Einen Screenshot von Skype oder Google Talk? Falsch, «20 Minuten» zeigt einen Kleincomputer mit einer Weltkarte auf dem Bildschirm, vielleicht sogar einer von Google. Ist Google nun mit dem bereits seit geraumer Zeit bestehenden Talk-Dienst in die Offensive gegangen? Der Artikel auf Seite 33 gibt dazu keine Auskunft. Darin steht einzig, dass Nokia einen neuen Tablet-PC mit vorinstalliertem Google Talk ausliefert. Nicht unbedingt eine Geschichte für die Front...
Interessanteres verspricht die zweite √úberschrift: Apple plant iPhone mit Hilfe aus Asien. Der Blattkritiker staunt: Das muss ein Primeur sein. Apple lässt nie etwas zu Produkten verlauten, die noch nicht pfannenfertig sind, und zerrt Gerüchteköche auch mal vor Gericht. Doch statt harter Fakten folgt auf diese √úberschrift eine skurrile Leier fast ohne Quellenangaben.
Das iPhone wurde auf Gerüchte-Websites schon oft herbeigeredet (...) Apple verhandelt nun angeblich (...) Wie es aussehen wird, ist noch unbekannt (...) Das Gerät ist ein Handy und iPod in einem (...) Wie die «Wirtschaftswoche» berichtete, hat das taiwanische Unternehmen Hon Hai Precision Industry gute Chancen, das iPhone zu produzieren. (...) Der Blattkritiker wollte die Zeitung bereits kopfschüttelnd weglegen. Dann bleibt er aber doch noch am Kasten Bald günstigere Roaming-Tarife? hängen. «20 Minuten» schreibt darin, dass sich EU-Kommissarin Viviane Reding vehement gegen hohe Roaming-Gebühren einsetze. Dass sie das nicht erst seit vorgestern tut, hat wohl irgendwann auch der Schreiberling gemerkt ‚Äì und hurtig noch ein «weiter» hineingeflickt. Und so heisst es nun: «Reding setzt sich weiter vehement dafür ein». Nein, wo und bei welcher Gelegenheit steht nicht. Das sind wahrlich «News von heute», liebes «20 Minuten».
Der Blattkritiker legt die Postille nun definitiv ins Altpapier.
Montag, 27. März 2006
Die Party-People-Foto-Ecke der Montagsausgabe von 20-Minuten gilt als eine der meistgelesenen bzw. -schauten Zeitungsrubriken der Schweiz. Für alle, die nicht auf ein eigenes Erscheinen in der Spalte hoffen, sind dabei die unglaublich originellen Bildunterschriften interessanter als die immer gleichen Fotos strahlender und schöner junger Menschen.
Die heutige Zürcher Ausgabe bietet eine besondere Trouvaille:
Es wurde zweimal dasselbe Bild publiziert - einmal handelt es sich um «Partygirls: Carole (l) und Kollegin Celine sind oft an R'n'B-Events anzutreffen». Das übernächste Bild: Dieselben viel Haut, Schminke und Haarlack zeigenden Partygirls «strahlten um die Wette: Conni (l) und ihre Kollegin gehen an jede So-Seductive-Party».
Ob Carole oder Connie ist ja (wie so vieles bei 20 Minuten) Hans was Heiri, Hauptsache ein nettes Foto …
Ps: So etwas entgeht natürlich auch den Pendlerbloggern nicht.
Donnerstag, 9. Februar 2006
«Sind E-Mails bald nicht mehr gratis?», fragt «20 Minuten» auf der Frontseite. Keine Bange, liebe Leserinnen und Leser, der Versand normaler E-Mails bleibt auch in Zukunft kostenlos. Was die beiden Firmen Yahoo und AOL vorhaben, hat «20 Minuten» auf Seite 25 in den ersten Abschnitten korrekt zusammengefasst ‚Äì bloss offenbar etwas zu kompliziert für den Blattmacher...
Donnerstag, 2. Februar 2006
«FCZ: Marcos Paulo fiel beim medizinischen Test durch», titelt 20 Minuten heute auf Seite 21. Das Engagement von Marcos Paulo sei laut einem Communiqu√© des Klubs aus «verschiedenen Gründen» gescheitert, beginnt der Artikel. Weiter im Wortlaut:
Recherchen von 20 Minuten haben ergeben, dass Marcos Paulo den medizinischen Test [...] nicht bestanden hat - es soll sogar von Arthrose die Rede sein. Und deshalb platzte der Transfer gestern Abend überraschend. Bravo «20 Minuten» - schön, dass selbst im Sportteil eines Gratisblattes seriös recherchiert wird. Etwas ratlos lässt uns aber der Einstieg in den nächsten Satz:
Für diese These spricht, dass [...].
Mittwoch, 23. November 2005
«20 Minuten pfuscht schon wieder - Google Ausfall war keiner» titelte Fredy Künzer in seinem Weblog. Der Ausfall bei Google sei seiner Meinung nach - anders als «20 Minuten» berichtete - nicht auf einen koordinierten Hackerangriff zurückzuführen, schrieb der Netzwerk-Experte, sondern eher auf ein technisches Problem bei Google.
Die beiden stellvertretenden Chefredaktoren von «20 Minuten» scheinen diese Kritik schlecht zu vertragen. In Kommentaren äussern sie sich ziemlich ausfällig ‚Äì und machen den Patzer im Blatt so noch viel schlimmer.
Mittwoch, 2. November 2005
Karl fiebert mit. Er fiebert still vor sich hin. Gerne würde er ja die Thuner laut anfeuern. Aber das geht nicht. Karl ist noch bei der Arbeit. Und so wirft er bloss von Zeit zu Zeit einen Blick auf einige einschlägige News-Websites. Da gibts aber wenig zu jubeln: Die vermeintlich schnellen Onliner sind - mit zwei Ausnahmen - selbst lange Minuten nach dem Schlusspfiff noch nicht am Ball...
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